Re:scam – Ein Chatbot scammt zurück

Nahezu jeder von uns erhält sie: Spam-Mails. Der eine seltener, der andere in (un)schöner Regelmäßigkeit. Mal tritt der vermeintliche Onkel der Tochter einer Nachbarin unseres Cousins achten Grades aus Übersee mit uns in Kontakt, um nach einer Finanzspritze für eine grandiose neue Geschäftsidee (irgendwas mit Alpakas) zu fragen. Ein anderes Mal ist’s der thailändische Geschäftsmann, der seine fünfeinhalb Millionen Dollar aus einem Immobilien-Deal auf unserem Sparkassen-Konto zwischenparken möchte – wofür wir anschließend mit 30% der Gesamtsumme belohnt werden sollen. Und dann gibt’s da auch noch den nigerianischen Astronauten, der seit Anfang der 1990er Jahre im Weltraum festhängt und ohne unsere Hilfe wohl nie mehr zur Erde zurückkehren kann.

Puuuuh! Man weiß ja gar nicht, wem man zuerst antworten soll.

Aber, Spaß beiseite! Denn während solche Mails vom Großteil ihrer Empfänger natürlich schnell als Spam bzw. Scam enttarnt und noch wesentlich schneller per Mausklick gelöscht werden, können sie gerade für leichtgläubige und ältere Internetnutzer gefährlich sein.

Die neuseeländische Sicherheitsinitiative Netsafe hat nun ein Projekt namens Re:scam gestartet, dessen primäres Ziel es ist, die dahinterstehenden Cyber-Betrüger mit endlosen, nervtötenden „Rückfragen“ zu konfrontieren und somit deren Zeit sprichwörtlich zu verschwenden. Zeit, die ihnen im Umkehrschluss somit auch für ihre Machenschaften verloren geht.

Im Mittelpunkt steht hier ein eigens entwickelter Chatbot, der Scammer weltweit in den Wahnsinn treiben soll. Und das funktioniert bisweilen ziemlich gut. Denn statt lapidar mit vorgefertigten Textbausteinen zu antworten, kann Re:scam dank Künstlicher Intelligenz (AI) verschiedene Persönlichkeitsstile annehmen und auf Spam- und Scam-Mails ganz individuell eingehen. Um realistisch zu sein, hinterlässt der Bot regelmäßig auch Grammatikfehler und beweist hin und wieder sogar Humor.

 

Die Nutzung von Re:scam ist kostenfrei und simpel: Einfach die betreffende Mail auswählen und an me@rescam.org weiterleiten – den Rest erledigt der Bot, ohne dass ihr davon etwas mitbekommt.

Ein eigens eingerichteter Twitter-Account präsentiert mittlerweile übrigens Ausschnitte einiger der besten Konversationen.

 

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